5 Fragen an Susanne Lüschen

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Susanne Lüschen ist die Leiterin der Immobilienentwicklung bei der Siedlungsgenossenschaft Eigengrund (SGE) in Zürich.
  1. Wie hat der SNBS‑Standard die Siedlungsgenossenschaft Eigengrund dabei unterstützt, den Ersatzneubau Pünt nachhaltiger, sozialer und wirtschaftlich stabil zu entwickeln?
    Mit der Bestellung eines nach Standard SNBS zertifizierbaren Projekts konnten wir bereits im Wettbewerbsverfahren den Fokus klar auf nachhaltiges Bauen richten. Alle Projektbeiträge wurden durch den Nachhaltigkeitsexperten beurteilt, das Siegerprojekt bot neben städtebaulichen Vorzügen auch die beste Ausgangslage für die Realisierung einer sozial, ökonomisch sowie ökologisch nachhaltigen Siedlung. Der Kriterienkatalog SNBS bot klare Orientierung für die kontinuierliche Projektoptimierung im komplexen Planungsprozess und diente als gemeinsame Verständigungsgrundlage im Projektteam.
  2. Welche konkreten Verbesserungen hat der SNBS-Standard hinsichtlich Planungsprozess, Kosteneffizienz, Materialwahl und Zusammenarbeit mit Baubeteiligten ermöglicht?
    Im Spannungsfeld zwischen Kostenziel und Nutzerbedürfnissen hat uns die Anwendung des SNBS-Standards dabei unterstützt, umweltrelevante und soziale Aspekte gleichwertig zu wirtschaftlichen Belangen zu behandeln. Mit der Standortbestimmung für das provisorische Zertifikat konnte im Projektteam flexibel nach weiteren Verbesserungsmöglichkeiten gesucht werden. Sehr wertvoll war die konstante Begleitung des Projektes durch den Nachhaltigkeitsexperten für die Qualitätssicherung zum Beispiel durch Prüfung der Ausschreibungsunterlagen.
  3. Welche Erkenntnisse nehmen Sie für zukünftige Bauprojekte mit – insbesondere im Hinblick auf Holzbau und Ersatzneubauten?
    Bereits im Rahmen der strategischen Planung ist eine sorgfältige Abwägung hinsichtlich Chancen und Potenzial des Bestandes wesentlich. Bei Neubau, Erweiterungen oder Aufstockungen im Bestand ist der Holzbau in Bezug auf sein geringes Eigengewicht, flexible Strukturen, kurze Bauzeit sowie geringe Erstellungsemissionen vielversprechend. Die Komplexität der Holzbauplanung mit der Herausforderung vieler Schichten ist dabei nicht zu unterschätzen. Klare Konstruktionsprinzipien und eine ökologische Tragwerkslogik haben eine grosse Hebelwirkung in Bezug auf die Treibhausgasemissionen in der Erstellung sowie auf die Kostenentwicklung.
  4. Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Umsetzung des SNBS‑Standards in der Siedlung Pünt – zum Beispiel organisatorisch oder technisch?
    Eine grosse Herausforderung liegt jeweils im rechtzeitigen Einfordern der Materialdeklarationen und in der konsequenten Umsetzung der ausgeschriebenen Planung am Bau. Vertraglich klar geregelte Materialeigenschaften (gemäss dem Verein ecobau) auf Basis des SNBS-Standards tragen zur weiteren Sensibilisierung und der Entwicklung der Baubranche bei. Das Bewusstsein aller am Bau Beteiligten ist für die erfolgreiche Realisierung eines nachhaltigen Bauprojektes weiterhin entscheidend.
  5. Was bedeutet Ihnen dieses Projekt persönlich – gab es einen Moment, der Sie besonders geprägt hat?
    Ich freue mich sehr, dass die Eigengrund mit dem Ersatzneubau Pünt ihre erste Holzbausiedlung realisiert und den Schritt zu einem Holzskelettbau mit flexiblem Stützen-Unterzugsystem gewagt hat. Besonders geschätzt habe ich, dass alle Beteiligten während des Planungs- und Bauprozesses offen für laufende Optimierungen waren und beispielsweise den Einsatz von Recyclingbeton mit kalziniertem Tonanteil oder die Weitergabe von Bauteilen, wie zum Beispiel Fenstern aus dem Bestand an den Verein Re-Win, unterstützt haben.

    Zum Projekt Siedlung Pünt